Klasse 9a zu Gast bei Colin Hadler

Aufregender Besuch bei der LitCologne

Erfrischend, humorvoll, nahbar: Der österreichische Autor Colin Hadler steht die 9a zum Foto bereit

Auf den Straßen sieht man immer wieder Schülergruppen, die mit Büchern in der Hand zu verschiedenen Locations pilgern, bei fast allen großen Veranstaltungsorten sind nur noch Lesungen und berühmte Autoren verschiedenster Genres schlendern durch Köln.

Die Stadt am Dom ist im Literaturfieber, denn seit dem 15. März ist sie der Austragungsort der Litcologne, dem größten Literaturfestival Europas. Über 200 Veranstaltungen finden in den 15 Tagen statt, mit Persönlichkeiten wie Michael Kessler, Jonas Hector, und auch Angela Merkel liest aus ihrem Buch.

Menschen aller Altersgruppen kommen nach Köln, um das Festival zu erleben - und mitten drin die 9a vom EMG. Sie hat sich unter der Leitung von Deutschlehrerin Kerstin Schöneweiß auf den Weg zur Volksbühne am Rudolfplatz gemacht. Dort besuchen sie nämlich eine Lesung des österreichischen Autors Colin Hadler, der sein Buch „Seven Ways to Tell a Lie“ präsentiert.

Angekommen im Saal nimmt die Klasse ihren Platz neben den anderen Gästen ein. Dann geht es los, und alle gucken gebannt auf die Bühne, die leer ist. Colin Hadler startet seine Lesung nämlich im Publikum. Er nimmt sich einen Zuschauer und schickt ihn kurzerhand auf die Bühne, damit dieser sein Buch vorliest.

Doch das klappt nicht so ganz, also kommt er nach vorne und flüstert seinem Bühnengast ins Ohr, was er vortragen soll. Letztlich lässt er den Zuschauer dann wieder Zuschauer sein. Doch mit diesem Einstieg hat er gezeigt, dass die Lesung nicht nur eine langweilige Vorlesestunde ist, sondern eine humorvolle Vorstellung seinerseits und seines Werkes.

Dieses ist im Gegensatz dazu nicht so lustig. Eine Gruppe Schülerinnen und Schüler sehen sich selbst in einem Video, welches im Netz herumgeht. In diesem sterben sie alle auf brutale Weise in einem Autounfall, doch das ist gar nicht passiert. Nach dem ersten Video tauchen immer mehr Deepfake-Videos auf, in denen Geheimnisse durch verschiedenste Situationen ans Licht kommen. Die Situationen sind fake, die Geheimnisse nicht.

Der Thriller ist spannend und behandelt ein furchteinflößendes Thema, gerade in der Zeit, in der wir leben. Die Art wie Hadler das Buch präsentiert ist ebenfalls spannend, nur nicht so düster. Der Autor erzählt mit viel Humor, Selbstironie und Zuschauerinteraktion von seinem Buch, aber auch von sich.

Der Dreiundzwanzigjährige redet in Anekdoten von Bettwanzen, die ihm den Urlaub verderben, von einem Gesichtsausdruck, den er in jedem Foto von sich wiederfindet oder den Umgang mit schlecht geschriebenen Hasskommentaren.

Bei der Lesung bindet er außerdem immer wieder sein Publikum ein. Beispielsweise bittet er eine Zuschauerin auf die Bühne und plant mit ihr, wie sie ihn auf brutale Art entführen würde. Oder er spielt mit ihnen und rät, was er für Geheimnisse hat.

Das Alles moderiert auf eine lustige und aufregende Weise. Obwohl er diese sarkastische Art an den Tag legt, beantwortet er auch die Fragen des Publikums zum Ende seiner Lesung gewissenhaft. Und auch Bilder macht er mit seinen Fans nach der Show. Der Besuch endet in einem Foro mit ihm und Schülern und Schülerinnen der 9a. Danach geht es wieder zurück zur Schule.

Letztlich war die Veranstaltung ein aufregendes Erlebnis und entgegen mancher Erwartungen nicht nur eine trockene Lesung, sondern eine humorvolle Präsentation des Buches, die bei vielen Lust auf mehr von der Litcologne oder auf die Bücher Colin Hadlers gemacht hat.

Michel Heß

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